Weltmeisterschaft 2015 in Ungarn – Saxone wurde 1. der letzten fünf

Bei der diesjährigen WBHC der IFAA, der World Bowhunter Competitionships der International Federation Archery Association, in Ungarn, war ich dabei. Ende August trafen sich in Gödöllö, einer wunderschönen kleinen 25.000 Einwohnerstadt, ca. 60 km von Budapest entfernt, 1360 Teilnehmer/innen aus 42 Nationen und schossen in 37 unterschiedlichen Wertungsgruppen (Unterteilung nach Alter, Geschlecht, Bogenklasse).
Und somit richtig gelesen:
am Ende gab es 37 Weltmeister/innen.

   DSCI6187 practice_45_20150824_1441365989  Geschossen und gewertet wurde in Ungarn nach dem 96 seitigen internationalen IFAA Reglement. Dies zu kennen war eine Voraussetzung für die Teilnahme. Der ungarische Bogensportverband und sein lokaler Ausrichter hatten alles sehr gut organisiert, so dass die wichtigsten Fragen geklärt waren: „In welcher der acht Gruppen bin ich? In welcher Untergruppe à sechs Personen? Welchen der sieben Parcours schieße ich an welchem Tag? In welchen der Busse muss ich einsteigen, die uns in die Parcours fahren? Wann ist Schießbeginnen, wann Deadline und wie viel Wasserstellen gibt es in den jeweiligen Parcours?“ Denn bei 34° Grad in der Sonne und jeweils circa 6 Stunden im Parcours konnte niemand die notwendigen 4-5 Liter Wasser mitschleppen.

Morgens um 6:00 Uhr aufstehen musste man schon, denn das Programm war straff: von 7:00 bis 8:00 Uhr einschießen, jeden Morgen vor 8:00 Uhr noch seinen Zweitbogen abgeben, nach dem täglichen Briefing um 8:00 Uhr dann zu den Bussen gehen und in die Parcours fahren, dort noch zum vorgegebenen Startpunkt wandern. Das bedeutete: 168 Starter verteilten sich zu sechst auf 28 Ziele. Turnier beginn war zwischen 9:00 und 10:00 Uhr. Vor 15:30 Uhr war dann niemand zu Hause, um dann platt, erschöpft, aber auch sehr glücklich nach einem Schläfchen und einer Dusche sich dem abendlichen, interkulturellen Austausch zu zu wenden, inklusive Flüssigkeitszufuhr für den armen ausgetrockneten Körper. Man verstand sich, man war unter sich, man hatte ein gemeinsames Ziel und gemeinsame Tageserlebnisse; eine schöne Gemeinschaft diese Bogensportler. Diejenigen, die am nächsten Morgen wieder früh raus mussten, lagen alle spätestens um 22:00 Uhr im Bett, während die anderen, die frei hatten, nächtens versuchten sich ihre Schießergebnisse entweder schönzureden oder befanden, dass die anderen Teilnehmer oder die allgemeinen Umstände an dem eigenen schlechten Ergebnis schuld seien.
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Vier Tage hintereinander schießen bedeutete 4 unterschiedliche Parcours, 2 mal 3-Pfeil-Runden, dann Doppelhunter- (2 Pfeile) und am letzten Tag Hunterrunde (1 Pfeil). Insgesamt konnten 2.240 Punkte erreicht werden. Schade nur, dass die beiden ersten Parcours sehr langweilig waren. Sie waren sehr flach, wenig abwechslungsreich, keine Hoch- und Tiefschüsse. Einhellige Meinung war, dass die Parcours bei der Europameisterschaft 2014 in Frankreich viel interessanter waren.

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Für Ergebnisfreaks
97% dieser möglichen Punkte (2173) erreichte Victor aus Südafrika, höchste Punktzahl bei dieser Weltmeisterschaft. Eine beachtliche Leistung, die aber nur in der Wertungsklasse FU, Freestyle unlimited, erreicht werden kann.

Zum Vergleich einige Ergebnisse aus den Bogenklassen, die wir bei Saxonia haben:
Weltmeister bei den Primitivbögen mit 59% der möglichen Punkte(1312) wurde Matthias aus Österreich, mehrfacher Europameister, usw. mit dem Tom und ich schon 3 Tage in Tschechien schießen konnten. Erster bei den Langbögen wurde Michael aus Österreich mit 65% der möglichen Punkte (1433) und in der Klasse Bowhunter Recurve siegte Klaus mit 70% (1586). Schaut man sich den Punktestand dieser ersten drei in dieser Gruppe an, so sieht man wie eng diese zusammen liegen: 1586, 1583, 1580 Punkte wurden erreicht. Besonders spannend war, dass die ersten drei Tage der nun drittplatzierte führte, bevor er am letzten Tag nach hinten durchgereicht wurde. Das Bogenschießen ist eben auch von der Tagesform abhängig.

Und ich von Saxonia war dabei und wurde mit 190 Schüssen erster der letzten fünf in meiner Wertungsklasse von 71 Teilnehmern mit 46% der möglichen Punkte (1031). Ich bin aber durchaus nicht enttäuscht, denn Teilnahme ist alles und nächstes Jahr fahren wir von Saxonia zu viert zur Europameisterschaft 2016 nach Österreich – und werden vorher noch viel, viel trainieren.
Weitere Ergebnisse unter www.wbhc2015.org/index.php/en/results …. Final results.

Bei mir war eine Schraube locker
Im Übrigen war nicht ich an meinem ungenügenden unter meinem Durchschnitt liegenden Schießergebnis Schuld, sondern, ganz objektiv, mein Bogen. Ehrlich! Es stimmte bei mir: Stand, Körperspannung, Haltung, innere Einstellung, Atmung, Zielen, Lösen, Nachhalten, Pfeile, Wasserversorgung, Schlaf. Nicht gemerkt hatte ich, dass sich bei meinem take-down Bogen innerhalb der sieben Tage bei den Temperaturen dort und durch den häufigen Gebrauch die Halterungsschrauben gelockert hatten, so dass mindestens ein Wurfarm locker war. Es lag wirklich ! nur daran, dass ich am letzten Tag in der Hunterrunde 14 Nuller schoss.So wird Man(n) auch in meinem Alter noch um Erfahrungen reicher.


Einen Monat vorher gab es auch noch eine andere Weltmeisterschaft, die der
World Archery Federation (WA), in Kopenhagen, die Word Archery Champingships für Olympischnen Bogen und Compoundbogen im Freien. 623 Schützinnen und Schützen aus 96 Nationen waren in Kopenhagen an den Start gegangen.
IMG_0589DSCI6037Allein im Recurvewettbewerb der Herren gab es 229 Schützen. Ausgesucht attraktiv war auch der Finalstandort, denn die allerbesten Sportler in den beiden Disziplinen Recurve- und Compoundbogen trugen ihre Finalwettkämpfe vor Schloss Christiansborg aus, mitten in Kopenhagen, in dem das Folketing, das Parlament Dänemarks, tagt. Darüber hinaus ist das Schloss Sitz des Ministerpräsidenten, es beherbergt das oberste Dänische Gericht und in ihm befinden sich offizielle Empfangsräume der königlichen Familie. Sportlich geht es natürlich wie bei jeden Weltmeisterschaften in erster Linie um Titel, Medaillen und Platzierungen, für die Recurveschützen ging es allerdings auch um olympische Quotenplätze für die Spiele in Rio de Janeiro 2016. Die besten acht Mannschaften bei Damen und Herren bekommen vom Internationalen Bogensportverband World Archery bereits in Kopenhagen jeweils drei dieser begehrten Olympiatickets und müssen sich nicht in weiteren Wettbewerben mühsam für den sportlichen Höhepunkt des nächsten Jahres qualifizieren.

Aber nach Rio de Janeiro zur Olympiade wollen wir ja gar nicht. Wir wollen 2016 in die Berge nach Österreich, nach Saalbach / Hinterglemm zur EBHC. Und wenn wir keine Schrauben locker haben, werden wir uns gut platzieren.
M. Schorse

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